logbuch
Wann kippt die Rechnung für Vibe-Coding? Wenn Bequemlichkeit teurer wird als Kontrolle.
Bordfunk aus dem Maschinenraum: über eine Rechnung, die kippt, die Verlagerung der Ausführung und das Neusortieren einer Werkbank.
Der Reporter bringt den Nachtrag vom Bordfunk herein — der Maschinenraum hat sich beruhigt, aber die Rechnung liegt jetzt offen auf dem Tisch. Originalwortlaut.
Computerlogbuch, Nachtrag. Der Maschinenraum hat sich beruhigt, aber die Rechnung liegt jetzt offen auf dem Tisch.
Ich baue meine Website gerade komplett neu, mit Lovable.
Im Plan-Modus macht das Tool nach wie vor einen sehr guten Job, gerade beim Aufsetzen neuer Bereiche war ich diese Woche mehrfach beeindruckt, wie treffsicher und günstig das läuft. Sobald es aber in die Iteration geht, an einer bestehenden Fläche gefeilt wird, kippt das Bild.
Für Änderungen, die alles andere als aufwendig waren, wird inzwischen wesentlich mehr verbraucht als noch vor Kurzem. Nicht weil die Aufgabe gewachsen wäre, sondern weil Eingaben nur noch teilweise beachtet werden oder Dinge passieren, die ich nicht im Ansatz verlangt hatte. Früher hätte dafür der kleine Pro-Plan gereicht.
Es gibt die kostenlose Text-Bearbeitung direkt in der Vorschau, hübsch beworben, wirklich ohne Tokenverbrauch, solange noch welche auf dem Konto sind. Nur reicht sie für Struktur nicht. Eine Sektion entfernen, ein Textfeld streichen, geht darüber nicht, dafür wieder der kostenpflichtige Weg.
Da fällt ein Werkzeug, das mich sonst beeindruckt, spürbar zurück hinter das, was ein simples WordPress mit Gutenberg seit Jahren beherrscht.
Für Elemente musste ich auch früher schon einen Prompt schreiben. Nur war der schmerzfrei, ein paar Cent, kein Nachdenken nötig. Jetzt spüre ich den Schmerz der Bequemlichkeit.
Wer jetzt fragt, warum ich dann nicht einfach ganz ohne KI weiterbaue: Das Konzept, die Entscheidung, was richtig ist, war schon immer meins, das nimmt mir kein Werkzeug ab. Was sich ändert, ist nur, wer die Ausführung übernimmt.
Website-Technik ist bei mir Nebenbereich, nicht Hauptjob, ich hab schlicht nicht die Zeit, die ein Mensch bräuchte, der es täglich macht — aber das unstillbare Interesse an der Technik ist bei mir weiterhin vorhanden, seit ich mit 14 Jahren den C64 geschenkt bekam.
Mit Claude arbeite ich ohnehin, seit Kurzem auch mit Claude Design, gebaut für genau diesen Übergabepunkt: Design und Struktur entstehen dort, lassen sich mit einer Anweisung an Claude Code weiterreichen, wo die feine Bauarbeit passiert. Der nächste Schritt ist nicht neu, nur folgerichtig.
Was das für mich bedeutet, ist keine spontane Verstimmung, sondern der Vollzug einer Rechnung, die ich schon länger im Kopf hatte, aber bisher nicht angerührt habe, weil sie sich betriebswirtschaftlich nicht getragen hat. Aufwand gegen Nutzen sprach klar fürs Vibe-Coding, gerade für den Neuaufbau. Diese Rechnung kippt jetzt spürbar. Der Code liegt bei mir ohnehin versioniert in einem eigenen Repository, nicht nur in Lovables Backend.
Wenn ich ohnehin an die Infrastruktur ranmuss, klär ich gleich die Hosting-Frage mit, die technisch und aus Datenschutzgründen sowieso schon länger offen im Raum stand.
Nichts davon ist Drama. Eher das Gefühl, eine Werkbank neu zu sortieren, die eine Weile gut funktioniert hat, aber inzwischen zu klein geworden ist für das, was ich damit bauen will.
Computerlogbuch Ende.
Erstveröffentlichung: Bordfunk (LinkedIn), 10.07.2026.