logbuch

Warum verpuffen achtwöchige Veränderungsprogramme? Weil Resilienz selten die Leistung eines Einzelnen ist, sondern ein Merkmal des Systems, in dem er steht.

Bordfunk aus dem Maschinenraum: über die Grenzen individueller Veränderung, die Bedingungen einer Krise und die Halbwertszeit gekaufter Maßnahmen.

Der Reporter bringt eine Meldung über Veränderung, Geld und die Systeme herein, in denen beides wirken soll. Originalwortlaut.

Was ein Mensch an sich selbst ändern kann, endet dort, wo das System um ihn herum anfängt.

Ich denke daran, wenn ich höre, dass in Unternehmen achtwöchige Programme gebucht werden und ein halbes Jahr später niemand mehr sagen kann, was davon geblieben ist.

Ich schreibe das aus der anderen Richtung, als jemand, der einmal selbst viel externe Unterstützung gebraucht hat. Der Weg heraus aus meiner Krise hat zusammengerechnet mehr als vier Jahre gedauert und ein guter Teil davon ging nicht in die Arbeit an mir, sondern in das Ändern der Bedingungen, unter denen ich stand.

Geld hilft einigen dabei und zwar messbar. Es verkürzt Wartezeiten und öffnet Zugang zu Diagnostik und Behandlung, auf die andere Monate warten. Das gehört zur Wahrheit dazu, auch wenn es in dieser Debatte gern weggelassen wird.

Was Geld nicht kauft, ist die Arbeit an und mit sich selbst. Die lässt sich anstoßen, begleiten und bezahlen, abnehmen lässt sie sich nicht und wer sie auslässt, sitzt nach einigen Jahren wieder an derselben Stelle.

So weit die eine Hälfte. Sie stimmt und sie genügt dennoch nicht.

Denn die Veränderung, um die es geht, läuft auf einer langsamen Schicht. Regulation ist bis in die Genregulation hinein veränderbar, das ist gut belegt, aber sie braucht dafür Monate unter stabilen Bedingungen. Ein achtwöchiges Programm baut in dieser Zeit etwas auf, das ein Milieu anschließend wieder abräumt, in dem Erreichbarkeit rund um die Uhr als normal gilt und Erschöpfung als Fleiß gelesen wird.

Betriebswirtschaftlich heißt das, man kauft eine Maßnahme und finanziert ihre Halbwertszeit gleich mit. (Ich verkaufe selbst Gespräche, insofern rede ich hier gegen die eigene Kasse.)

Resilienz ist selten die Leistung eines Einzelnen. Sie ist meistens ein Merkmal des Systems, in dem er steht.

Erstveröffentlichung: Bordfunk (LinkedIn), 05.08.2026.

Stand: 05.08.2026